natürlich, Norddeutschland
Kommentare 5

Eintauchen in die grünen Fluten: Waldbaden in Bad Iburg

Wieder so ein esoterischer Blödsinn, das war mein erster Gedanke. Auf der Landesgartenschau in Bad Iburg findet mehrmals wöchentlich das japanische „Shinrin Yoku“ statt, zu Deutsch Waldbaden. Was soll das sein? Ausgerechnet ein Trend aus der japanischen Meernation soll uns Deutschen mit unserer Waldverbundenheit noch etwas bringen? Und dann habe ich es ausprobiert – und mal wieder Vorurteile über Bord geworfen.

Am Treffpunkt TERRA.vita auf dem Landesgartenschau-Gelände haben sich mittlerweile 14 Besucher versammelt. „Schön zu sehen, dass es immer mehr werden“, sagt Michael Fischer, der ein Waldbaden-Schild vor sich hält, damit alle Interessierten ihn finden.

Tatsächlich stellt sich später heraus, dass einige aus unserer Gruppe schon zum zweiten oder dritten Mal hier sind. Weil es so schön ist. Mein Vorurteil war: Waldbaden, das ist wieder so ein neues Modewort. Einfach nur „alter Wein in neuen Schläuchen“, ein Trendbegriff für einen simplen Waldspaziergang. Doch ich werde eines Besseren belehrt.

„Ich möchte Sie nun alle bitten, Ihre Handys lautlos zu stellen“, sagt Michael Fischer. Die Gruppe geht los, beziehungsweise stürmt los – viel zu schnell fürs Waldbaden. Michael Fischer bremst, bitte „Speed drosseln“. Wir sollen ganz langsam die Füße abrollen, fühlen, wie sich der Walduntergrund verändert. Kleine Steine und Stöckchen durch die Fußsohle erspüren. Gemächlich gehen. Und ganz tief atmen dabei. Die Gerüche des Waldes wahrnehmen. „Das wahre Glück kommt durch die Langsamkeit“, sagt Michael. Wenn ich normalerweise durch den Wald wandere, habe ich einen forschen Schritt drauf. Und nun merke ich, das ist wirklich anders. Michael lädt uns ein, die Augen zu schließen und zu lauschen.

Da singen Vögel, das Klavier aus einer Kunstinstallation hier im Wald klimpert leise. Irgendwo rauschen Autos. Und ein Windhauch lässt die Blätter rascheln. Auf der Haut spüre ich die Wärme, dort, wo Sonne durch das Blätterdach scheint. Hups, denke ich, da ist ja so viel mehr, wenn ich langsam mache, wenn ich mich öffne.

Wir halten an. Michael lädt uns ein, junge Buchenblätter zu probieren. Die sind nicht nur essbar, sondern hinterlassen einen frischen, säuerlichen Geschmack auf der Zunge. Und dann beginnt er, uns ein bisschen über die Ursprünge des „Shinrin Yoku“ in Japan zu erklären. Dort begannen Ärzte etwa 1983, gestressten Bürgern „Waldkuren“ zu verschreiben. „Im Prinzip geht es darum, in der Atmosphäre des Waldes zu baden und dabei achtsam zu sein, mit allen fünf Sinnen zu spüren.“ Das ist auf jeden Fall etwas, das ich schon nach kurzer, achtsamer Wegstrecke nachvollziehen kann. Zeit für das grüne Meer, sich in allen Facetten zu zeigen. Wald, das ist eine Explosion der Sinne, wenn man langsam macht.

Michael hält uns auch dazu an, die Schuhe auszuziehen, noch langsamer, noch bewusster zu gehen. Bei unseren Stopps erklärt er nicht nur, sondern liest auch vor. Kleine Geschichten über Achtsamkeit, viele aus dem Zen-Buddhismus. Und er berichtet von dem Wenigen, was die Forschung bisher über die Wirkung des Waldes auf den Menschen weiß. Dass die Terpene, die hier durch die Luft wabern, die Botenstoffe der Bäume sind, ihre Sprache. Und dass diese Stoffe unser Immunsystem anregen. Dass der Blutdruck der Menschen im Wald runtergeht.

Auf einer wunderschönen Waldlichtung machen wir Endstation. Ein Künstler hat das steinerne Eingangstor zu dieser Lichtung erschaffen. Dahinter findet das Waldbaden mit einer an Taijiquan (das passt einfach zur Langsamkeit) angelegten Übung und einer weiteren Geschichte seinen Abschluss.

Was ich daraus mitnehme? Waldbaden ist definitiv nicht das Gleiche wie ein Waldspaziergang. Allenfalls eine um ein Vielfaches entschleunigte Version davon. Seeeehr langsam, aber dafür sehr intensiv. Obwohl ich mit Notizblock und Kamera bewaffnet war und mich deshalb sicher nicht ganz so intensiv auf die Übungen einlassen konnte wie die anderen Teilnehmer, kam ich nach diesem Ausflug tief entspannt zurück. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Elemente davon werden mit Sicherheit künftig Teil meiner Ausflüge in den Wald sein. Der hat mir auch schon ohne Waldbaden immer sehr viel gegeben. Aber künftig werde ich mal die Schuhe ausziehen, innehalten, die Augen schließen. Dem Rauschen der Blätter lauschen. Mehr Sauerklee und Beeren probieren. Der fernöstliche Unterbau muss dann nicht unbedingt sein. Aber die Entdeckung der Langsamkeit im Wald, das hat schon was.

Zusatzinfos:

Tipps:

  • Mehr als nur Blümchen: Der Wald ist in diesem Jahr ein wichtiger Teil der Niedersächsischen Landesgartenschau. Daher gibt es nicht nur den alles überragenden Baumwipfelpfad, sondern auch einen Waldkurpark mit vielen Kunstinstallationen, unbedingt sehenswert… (Aber dazu später mehr)
  • Übernachten und vor allem richtig lecker essen kann man (übrigens auch am Waldrand) im Gasthaus zum Dörenberg in Bad Iburg.

Diese Recherche wurde freundlich unterstützt vom Tourismusverband Osnabrücker Land e.V. und der Landesgartenschau Bad Iburg 2018 gGmbH. Vielen Dank dafür!

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

5 Kommentare

  1. Avatar

    Das mit dem langsamen Gehen im Wald mache ich schon länger, allerdings ohne darauf hingewiesen worden zu sein. Ich genieße einfach die Ruhe und die Gerüche des Waldes. Es erfreut mich, das du jetzt auch nicht mehr durch den Wald „rennst“… 😊
    Lieben Gruß, Ewald

    • Avatar

      Naja, Rennen im klassischen Sinne war das nicht. Aber im Vergleich zum Waldbaden schon. So langsam wie in Bad Iburg bin ich vorher noch nie durch den Wald gegangen.
      Liebe Grüße
      Iris

  2. Avatar
    Karin sagt

    Das Waldbaden passt gut in die Familie: ACHTSAMKEIT. Wenn es hilft, wieder ein Gefühl für die Wälder zu schaffen, für ihre Kraft, (und sie dann auch besser zu schützen!), sei’s drum, ich finde es gut!

    • Avatar

      Das sehe ich auch so. Wald kann einem so viel geben – das wusste ich auch vorher schon. Aber so wirken die kleinen Dinge noch intensiver. Es muss nicht der grandiose Blick sein, die jahrhundertealte Eiche. Es sind die unscheinbaren Wunder, die sich eröffnen, wenn man noch langsamer und achtsamer durch den Wald geht. Ein Sonnenstrahl, ein Tautropfen in einem Spinnennetz, die Strukturen auf einem morschen Stück Holz. Und der Wald ist voll von Schönheit, Geschmackserlebnissen, Gerüchen und Geräuschen!

Kommentar verfassen