7 Fragen an, nah dran
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7 Fragen an… Willi Rolfes

In unserer Rubrik 7 Fragen an… stellen wir euch spannende Menschen und Kollegen vor. Heute hat der Naturfotograf Willi Rolfes unsere Fragen beantwortet.

Mit Willi Rolfes arbeiten wir Reisefedern sehr gern bei (Buch-)Veröffentlichungen vor allem in und über Niedersachsen zusammen. Und hier kommen auch schon seine Antworten auf unsere Fragen:

Welches war Dein schönstes Erlebnis unterwegs?

Wenn ich ehrlich bin, gibt es nicht das schönste Erlebnis für mich. Aber es gibt vielleicht eine Verbindung zwischen Ereignissen. So bin ich immer sehr dankbar, wenn es mir gelingt, ein „Traummotiv“ fotografisch umzusetzen. Da erinnere ich mich an einen jagenden Adler in Norwegen, an eine Bärenmutter mit ihren Jungen an der finnischen Grenze zu Russland, das tanzende Nordlicht auf den Lofoten oder einfach nur der Sonnenuntergang im Gespensterwald an der Ostsee. Mich interessieren aber auch die Kultur, die Menschen, die in anderen Ländern leben. So freue ich mich, über die Naturfotografie und das Reisen inspirierenden Menschen begegnet zu sein, mit denen mich bis heute enge Freundschaften verbinden.

Welches Erlebnis (auf Reisen) hat Dich nachhaltig beeinflusst?

Den nachhaltigsten Einfluss auf meine Leben hatte wohl meine erste Reise. Als Jugendlicher bin ich mit einer Jugendgruppe unserer Kirchengemeinde nach Irland gefahren. Das erste Mal alleine unterwegs in einem fernen Land, einer anderen Kultur und umgeben von einer wunderschönen Landschaft. Das weckte in mir den Wunsch, diese Eindrücke festhalten zu können und sie mit anderen zu teilen. Jemand aus unserer Gruppe hatte eine Kamera dabei, eine Nikon FE mit einem 50 mm Objektiv. Er machte viele Dias und am obligatorischen Diaabend einigen Wochen später fällte ich den Entschluss, mein Taschengeldkonto vollständig zu plündern und eine Spiegelreflexkamera zu kaufen. Das war eine sehr gute Entscheidung, die meinen Eltern allerdings gar nicht gefiel.

Gibt es einen Gegenstand, den Du auf Reisen immer dabei hast?

Immer dabei sind meine Meindl-Wanderschuhe, eine Nikon und seit einigen Jahren ein Reisetagebuch, das mir meine Tochter geschenkt hat.

Wenn Du ohne jegliche Alltagspflichten und gesellschaftliche Zwänge leben könntest – womit würdest Du dann den Großteil deiner Zeit verbringen?

Ehrlich gesagt versuche ich heute schon so zu leben, dass ich nicht gelebt werde. Ich verbringe gerne viel Zeit in der Natur, verbringe Zeit mit meiner Familie und Freunden, erkunde mit der Kamera Lebensräume mit ihrer Flora und Fauna und studiere gerne neue Bildbände von Kolleginnen und Kollegen. Dabei fängt das Reisen für mich schon vor der Haustür an. Es ist nicht so wichtig, wie weit ich reise, sondern eher, wie intensiv ich das Reiseziel erkunden und verstehen kann.

Welches war das gewöhnungsbedürftigste Essen, das Du je in einer anderen Kultur probiert hast?

Spontan erinnere ich mich an eine Reise nach Norwegen im Jahr 1992. Meine Frau und ich wohnten bei einem fürsorglichen alten Ehepaar auf der Insel Runde. Die alte Dame war sehr um unser leibliches Wohl bemüht und kochte abends für uns. Einmal gab es eine Fischsuppe. Aus fetter Milch schaute uns ein Fischkopf entgegen. Und der schaute noch nicht einmal so merkwürdig wie meine Frau und ich… Was tun? Die liebvolle alte Dame enttäuschen oder „Augen zu und durch“? Wir nahmen freundlich nickend die streng riechende Fischsuppe entgegen und probierten. Ein völlig ungewöhnlicher Geschmack, aber sensationell lecker. Seither probieren wir alles und wurden selten enttäuscht. Allerdings waren wir auch noch nicht in Asien und konnten uns noch kein Urteil über Insekten-Food bilden…

Gibt es Dinge, die Du dank einer Reise an Deutschland bzw. Deiner Heimat besonders schätzen gelernt hast?

Mit zunehmender Begeisterung bin ich immer wieder in den Osten Deutschlands gereist. Nach Rügen und Zingst, in die Boddenlandschaft mit den Kranichen, an die Müritz mit ihren Adlern oder die mecklenburgische Schweiz mit ihren uralten Bäumen. Diese wunderschönen Landschaften habe ich entdeckt und schätzen gelernt. Dabei sind mir Menschen begegnet wie der Naturfotograf Jürgen Reich. Er lebt mit seiner Frau bei Bad Doberan. Er hat mir seine Heimat erschlossen, von der Zeit vor der Wiedervereinigung erzählt und mit seine Sichtweise auf die Entwicklung in unserem Land nahe gebracht. Mit meinen Reisen nach Ostdeutschland habe ich nicht nur wunderbare Landschaften entdeckt, sondern sehr gute Freunde gefunden und sehr viel über die Geschichte und Gegenwart unseres Landes gelernt.

Buchen im Gespensterwald in Nienhagen an der Ostsee

Welches Reiseziel ist auf Deiner Liste noch offen?

Gerne würde ich einmal einen Eisberg in Grönland sehen und mit viel Zeit Norwegen erkunden.

Über Willi Rolfes

Mit meiner Familie lebe ich am Rande des Moores im niedersächsischen Vechta. Beruflich bin ich als geschäftsführender Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld tätig. Dort veranstalte ich Fotoworkshops und bin Mitinitiator des Fotofestivals „Inspiration Natur“. Meine große Leidenschaft ist die Naturfotografie, mit der ich mich seit 1981 beschäftige. Fotografisch gilt mein besonderes Interesse den norddeutschen Landschaftsformen mit ihrer Flora und Fauna. Für mich ist es wichtig, eine Beziehung zu einer Landschaft oder einer Tierart zu entwickeln. Darum setzte ich mich oft lange mit einem Thema auseinander und verfolge es zuweilen über Jahre.

Der Lebensraum Moor spricht mich besonders an, nicht zuletzt, weil ich am Rande des »Großen Moores« lebe. Ich mag facettenreiche Portraits von Landschaften und Tieren. Sie sind mir wichtiger als wettbewerbstaugliche Einzelbilder. Meine Fotogeschichten erscheinen in Zeitungen und Zeitschriften. Jährlich erscheinen verschiedene Kalender mit meinen Fotografien. Eine Vielzahl von Bildbänden spiegelt meine bisherige naturfotografische Arbeit wider. Einige Fotos wurden bei nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. Das deutsche Fernsehen zeigte meine naturfotografische Arbeit in einem Film im Rahmen der Reihe „Expeditionen ins Tierreich“.

Neben der reinen Naturfotografie ist es mir ein Anliegen, »Sinn-Bilder« zu fotografieren. Die können vielleicht dazu verhelfen, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Als Mitglied der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT) ist es mir ein besonderes Anliegen, mit meinen Arbeiten einen aufklärenden und Verständnis weckenden Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten. Denn Naturbilder schaffen Naturverständnis.

Website: https://www.willirolfes.de/

Einen ganz schönen Beitrag über Willi Rolfes Arbeit im herbstlichen Wald hat der NDR im Oktober 2019 ausgestrahlt, ihr findet ihn hier.

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, noch ausführlicher in Willis Bildern zu schwelgen und in Büchern von ihm zu blättern, wie wäre es mit einem dieser beider Bildbände?

Gerade neu erschienen: da.Sein.Wie ein Baum

Deutschlands Natur. Lebensräume im Porträt

 

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Seit ich denken kann, zieht es mich in die Natur. Und in den Norden. Das spezielle Licht im Sommer, der Duft der Wälder und die Weite des Fjälls... Als Journalistin und Buchautorin bin ich außerdem gern in Europa und in Niedersachsen unterwegs.

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