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Augsburg: Von Wasser, Wassertürmen und Kanälen – ein Unesco-Welterbe

„Wir haben richtig gutes, naturbelassenes Trinkwasser, das streng kontrolliert wird. Heutzutage gibt es 60 Trinkwasser-Brunnen direkt in Augsburg„, erzählt mir die „Wasserfrau“ Elisabeth Retsch. Vor 17 Jahren wurden in der von 199 Kilometern Wasserläufen geprägten Stadt spezielle Führungen zum Thema Wasser entwickelt. „Die Touristen waren einfach sehr neugierig, sie wollten mehr wissen. In vielen Gassen von Augsburg fließen die Kanäle des Lechs“, sagt die Stadtführerin. Und seit 2019 stehen das historische Wassermanagement-System der Stadt und seine Denkmäler (Kanäle und Wasserwerke, Wasserkraftwerke und prächtige Monumentalbrunnen) sogar auf der Liste des Unesco-Welterbes. Die Kanäle liefern seit über 1000 Jahren Wasserkraft. Imposant, finde ich! Sie waren damals unverzichtbar für die Wasser- und Energieversorgung der vielen Handwerksbetriebe: Mithilfe von Hunderten von Wasserrädern trieben sie ihre Maschinen an. Ohne sie wäre es nie zur Blüte des hiesigen Handwerks gekommen.

Mehr Kanäle als Venedig

Die Kanäle des Lech begegnen mir in der Innenstadt auf Schritt und Tritt. Kaum eine Stadt in Deutschland wird von mehr Kanälen durchzogen als Augsburg. Deshalb gibt es wohl auch überall nette, kleine Holzbrücken in den Gassen, optimal zum Verweilen oder einfach nur ins Wasser starren…. Man streitet sich, ob die Stadt in Bayern sogar mehr Brücken als Venedig besitzt, über 530 sollen es sein. Ein Tipp für eine kleine Mittagspause oder einen leckeren Kaffee mit hausgemachtem Kuchen: das urige „7tisch-Café“ an der Elsenbornstraße 3 im Spickelviertel direkt am Lechkanal. Mit Brot vom Bio-Bäcker und der Wurst von der Hofmetzgerei.

Pumpen heben das Wasser in Wassertürme

Die Augsburger Oberstadt liegt auf einer Schotter-Hochterrasse zwölf Meter über dem wasserreichen Lechtal. „Darum schöpften die Bewohner seit den Römern Trinkwasser aus Brunnen, die bis zum Grundwasser-Spiegel reichten“, erklärt mir die Wasser-Spezialistin. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts führte Augsburg dann eine Technik ein, die damals nur in den Städten von Norditalien und im Bergbau bekannt war: Wasserrad getriebene Kolbenpumpen hoben das Trinkwasser in Wassertürme. Dort floss es vom Reservoir-Becken durch eine Fallleitung und über Leitungen aus Holzdeicheln zu anfangs sieben öffentlichen Laufbrunnen. „So wurde die Stadt versorgt, hier konnten sich die Menschen dann bedienen.“

Pump-Technik zur Trinkwasserhebung

Das älteste bestehende Wasserwerk in Mitteleuropa

Der Große Wasserturm beim Roten Tor entstand ungefähr ab 1414 – und ist somit der Älteste in ganz Mitteleuropa. Als der hölzerne Turm im Jahr 1464 abbrannte, wurde er gemauert errichtet und 1669 auf sieben Geschosse erhöht. Elisabeth Retsch zeigt mir den Durchgang, der den Großen Wasserturm mit dem 1470 erbauten Kleinen Wasserturm verbindet. In seinem Untergeschoss kommt ihr zum Aquädukt, das einst das Trinkwasser im Brunnenbach und (nur durch eine hölzerne Wand getrennt) das Lechwasser im Lochbach als Antriebskraft für Mühlen und andere Wasserrad getriebene Werke am Vorderen Lech lieferte.

Fließend Wasser galt als Luxus

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts, weiß die „Wasserfrau“, wurden dann einige Häuser angeschlossen. So dass fließendes Wasser in Becken ausgeschöpft werden konnte – eine „Prestige-Sache“, so Retsch, und ziemlich kostspieliger Luxus für die damalige Welt. Bei einer Führung durch das Wasserwerk am Roten Tor erläutert sie anhand von hydrotechnischen Modellen, Skizzen der Brunnenmeister sowie in Öl gemalten Instruktionsgemälden die Baugeschichte und Technik der damals sieben Wasserwerke und neun Wassertürme. Sehr beeindruckend! Und am Schluss verrät die Expertin des nassen Elements noch eine nette Anekdote und lächelt sanft: „Bestimmt an die 120 Biber schwimmen nach Augsburg regelmäßig rein – über den Zulauf des vorderen Lechs.“

Meine Pressereise nach Augsburg wurde unterstützt von Regio Augsburg Tourismus und dem Landkreis Günzburg.

Wer mehr zu Günzburg bei uns lesen möchte: Hier eine Story zu den Krippenschnitzern, dem Kloster Oberschönenfeld in Bayerisch-Schwaben. Auch eine schöne Geschichte: die sanften Augsburger Engel im Rathaus. Wer eine Wasser-Führung buchen möchte, bitte an Regio Augsburg Tourismus  wenden. Ab Juli hoffentlich wieder möglich. Weitere Infos zu den 22 Stationen des beeindruckenden historischen Wassersystems der bayerischen Stadt und zu virtuellen Führungen findet ihr hier.

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