Lieblingsziel, natürlich
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:-) Lieblingsziel La Gomera

Karins Lieblingsziel ist La Gomera – die Wanderinsel mit Naturkräften. Im nebligen Lorbeerwald und vor allem in den unzähligen wilden Schluchten lässt sich beim Wandern Kraft tanken.

Jedes Mal verliere ich fast den Verstand, wenn ich auf La Gomera bin – und gewinne so viel! An Entspannung, innerer Ruhe, neuer Kraft. Jedes Jahr fahre ich auf die (fast) kugelrunde, vulkanische Kanaren-Insel, spüre die starken Naturkräfte, die einen magisch anziehen – oder sofort abstoßen. Dann kommt man nie wieder hierher. Etwas Gefühltes dazwischen gibt es kaum.

Stehen bleiben und genießen: Meerblick von La Gomera

Die magisch Angezogenen reisen wieder und wieder nach La Gomera. So wie ich. Ich habe immer ein bisschen Arbeit dabei, aber erledige doch nix. Die Wichtigkeit verfliegt einfach. Was zu Hause noch bedeutsam war, wird hier zum Schatten. Und ich kann mich nur ergeben. Im Nichtstun.

Schluchten und Lorbeerwälder

Wie sieht La Gomera aus? Im Prinzip besteht die Insel aus zahllosen Schluchten, den Barrancos, wild-zerklüftete tiefe Täler, die hinunter bis ans Meer reichen. Ganz anders zeigt sich die Inselmitte. Hier liegt der Nationalpark Garajonay mit seinen mystischen, nebel-feuchten Lorbeerwäldern, die viele Besucher begeistern.

Mich weniger, ich ziehe die Schluchten vor. Herrlich bestückt mit Dattel-Palmen, für mich eigentlich das Schönste. Nirgends auf den Kanaren gibt es so viele Palmen wie auf La Gomera. Typisch sind auch die Terrassenfelder. Es ist unglaublich, die Vorstellung, dass Menschen an jedem der steilen und steilsten Berghänge hunderte von Terrassen-Mäuerchen errichtet haben, Stein für Stein aufeinandergesetzt. Mangels natürlicher ebener Flächen für landwirtschaftlichen Anbau. Heute sind viele der Terrassenfelder verwildert, die Mauern zerfallen.

Nichtstun und wandern

Nichtstun ist wunderbar. Aber das sollte man auf La Gomera zwischendurch mal unterbrechen – und wandern gehen. Der Frühling ist da eine besonders schöne Zeit: Es summt, brummt, weiße Schmetterlinge umflattern mich. Eine Wiese, blühende Margeritenfelder, ein lila Blumenmeer, wahrscheinlich Geflügelter Strandflieder. Wunderschön ist auch der Kontrast aus dunklem Basalt-Gestein, bestückt mit gelb blühenden Wolfsmilchbüschen.

Früher klatschten die Menschen freudig in die Hände, wenn mal ein paar Regentropfen fielen. Heute regnet es häufiger im Winter, und die Chancen sind gestiegen, die Insel bunt zu erleben. Egal zu welcher Jahreszeit man La Gomera besucht, eines ist sicher: Es ist einsam in den Barrancos. Sehr einsam! Das fällt spätestens dann auf, wenn man sich verlaufen hat. Passiert mir immer wieder.

Agaven vor einer der vielen wilden Schluchten La Gomeras

Verlaufen und zurückfinden

Da wird aus dem Wandern auf steinigen Pfaden ein Stolpern und Klettern über steile, geröllige Hänge. Gepiesackt von kurzen oder auch langen Kakteennadeln, ein vorsichtiges Balancieren über mehrere Schichten abgebrochener Palmwedel, durch die ein Fuß in die Tiefe sinkt. Und immer wieder zerrissene Fäden im Gesicht, die große, dicke Spinnen gewoben haben.  Auf der Suche nach Orientierung arbeite ich mich hinab in einen ausgetrockneter Flusslauf, gespickt mit dicken Felsbrocken. Schon nach wenigen Metern war’s das, ich bin kurz vor dem Sturz in die Tiefe: ein Wasserfall. Zu viel Risiko sollte man auf La Gomera nicht suchen, das endet schnell in einer dunklen, kalten Nacht im Barranco. Bestenfalls taucht am nächsten Tag ein rettender Hubschrauber am Himmel auf. Solche Geschichten passieren auf der Insel immer wieder.

… und irgendwo in der Ferne das Meer.

Am Ende ging diese Wanderung gut aus, ich fand über den Flusslauf in der anderen Richtung einen Weg zurück zur Straße. Danach war natürlich ein relaxten Tag am Strand fällig. Und Strände gibt es viele auf La Gomera. Allerdings muss man sich auch hier mit Steinen anfreunden, feine Sandstrände wird man vergeblich suchen. In netten Strandbars sitzt man in Orten wie Playa Santiago oder im Valle Gran Rey. Legendär im Valle Gran Rey ist übrigens das abendliche Meeting am Strand, da wird der Sonnenuntergang mit Trommeln zelebriert.

Info zu La Gomera und zum Wandern auf der Insel

Wandern: In den letzten Jahren sind viele Wanderwege auf La Gomera ausgeschildert worden. Trotzdem: Nie ohne Wanderführer in der Hand losgehen, oder mit Touren-App. Ein Klassiker ist der Rother Wanderführer La Gomera, neu aufgelegt 2020. Er kostet 14,90 Euro.

Infos zu La Gomera:

lagomera.travel/de

www.gomeralive.de

Lust auf mehr Inseln? Wir hätten da ein paar in der Nähe und in der Ferne für euch. Zum Beispiel die Kapverden oder Aruba,die karibische Gute-Laune-Insel, Gotland und die Blumeninsel Guernsey, Texel mit seiner einmaligen Vogelwelt, Bornholm oder die westlichste Ostfriesische Insel Borkum.

 

Kategorie: Lieblingsziel, natürlich

von

Karin Kura

Draußen ist es am schönsten. Egal, ob als Reisejournalistin oder privat, unterwegs in der Natur bin ich am liebsten. Aber bloß nicht frieren! So klingt es vielleicht komisch, dass ich von Haus aus Skandinavistin bin, in Norwegen habe ich gelebt. Und dann die Himmelsrichtung gewechselt. Jetzt reise ich oft in Richtung Süden, nach Spanien. Karge Landschaften ziehen mich magisch an, besonders Wüsten. Alle Wüsten dieser Welt besucht zu haben, das wäre ein Traum!

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