Im „Reich der Tausend Inseln“ tuckern wir langsam durch die grünen Felder, die Stockenten ziehen ihre Kreise und Kormorane holen kleine Fischchen aus dem Wasser. Traumhaft ruhig und entspannt sind die Wasserkanäle des Naturschutzgebietes Oosterdel in der niederländischen Region Ontdek Hart van Noord-Holland. Früher war hier Sumpf soweit das Auge reichte, im Mittelalter fassten die ansässigen Bürger jedoch den Beschluss, den sumpfigen Boden urban zu machen. „So hoben sie Gräben aus, der Sumpf wurde entwässert und die aufgeschüttete Erde zur Anhebung der Felder genutzt. Perfekt für den Gemüseanbau, die Erde war extrem fruchtbar“, erklärt mir Cees Gommers. Der Niederländer zeigt uns zunächst diese wunderschöne Wasserlandschaft während der Pressereise „Alkmaar und Hart van Noord-Holland“, bevor wir dann ein spannendes Museum kennen lernen.
Wasserwege als Autobahn für den Gemüsetransport
Mit den Wassergräben entstand eine neue Einkommensquelle für die Menschen, zirka 174 Gärtner bauten in dem ehemaligen Sumpf Kartoffeln, Zwiebeln, Karotten und viel, viel Kohl an.
Im Jahre 1887 fand die erste Langedijker Gemüseversteigerung statt, damals noch unter freiem Himmel. Schon ein Jahr später transportierten Gärtner bereits an die 50 000 Blumenkohl-Köpfe auf eben diesen Wasserkanälen zur Versteigerung.
Das älteste Gemüse-Auktionshaus der Welt
1904 wurde das erste Versteigerungsgebäude gebaut. Heutzutage ist es ein kleines, aber sehr feines Museum: BroekerVeiling ist das erste und auch älteste Gemüse-Auktionshaus der Welt. Ein Museum zum Mitmachen, echt spannend! Über die Wassergräben gelangten die Gemüsegärtner damals mit ihren Schuten (den flachen Holzschiffen) voller Gemüse zu dem Steg der Versteigerungshalle. „Mit langen Holzstaken schoben sie sich zwischen den Inseln hin und her auf dem Weg zur Auktion“, weiß der ehemalige Grundschullehrer Cees zu erzählen. 
Der Museumsbesucher ist Gemüsehändler
Für die Besucher des Museums heißt es: „Du bist hier bei uns als Händler! Wenn die Auktion gleich beginnt, kannst du den Preis für ein bestimmtes Produkt – sei es der Blumenkohl-Kopf oder die Zwiebeln – selbst bestimmen“, erklärt mir der gut gelaunte Auktionator und Museumsführer Marius de Haas.
Hinter ihm hängt an der Wand der Versteigerungshalle noch die riesige Aktionsuhr vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie funktioniert noch immer: Die Preise, pro Kilo, fallen von hoch bis tief. „Der Gemüsehändler kann den gewünschten Preis anzeigen, indem er auf einen Knopf vor seinem Sitz drückt und somit den Indikator der Uhr stoppen“, weiß Marius. Nur eine Sache noch: „Good Timing ist wichtig! Wenn du zu lange wartest, schnappt dir vielleicht jemand den Rotkohl vor der Nase weg“, grinst Marius. Gleich wird’s ausprobiert! Auch wenn wir eher kleinere Portionen handeln, ein paar Äpfel oder eine Gurke. Mehrere Kilos Kohl wär doch eher unpraktisch für uns…
Letzte Auktion im Jahre 1973
Die letzte Auktion in der Halle des Museums im Naturschutzreservat Oosterdel wurde leider hier im Jahre 1973 durchgeführt. „Die Arbeit wurde für die Gärtner zu anstrengend und das Gebiet sollte neu eingeteilt werden“, weiß Marius. So bekamen Gärtner einen finanziellen Ausgleich, mittlerweile sind nur noch rund 50 von ihnen übrig geblieben. Fünf Betriebe kümmern sich noch um Sauerkraut. Marius erinnert sich gerne an die 1970er zurück: Mein Vater war Fassbauer. Damals bin ich nach der Schule direkt hierhin und hab‘ mit meinem Vater Kohl angebaut. Wir haben hart geschuftet.“ Ab und zu durfte der kleine Bub nach getaner Arbeit über die Fensterbank luken – und der Auktion zuschauen. Spannend war’s, damals und heute!
Gut zu wissen:
Das Museum BroekerVeiling ist nur 20 Minuten mit Bus und Bahn von dem wunderschönen Städtchen Alkmaar entfernt. Es ist bekannt für seinen jahrhundertealten Käsemarkt (ab dem 27. März bis zum 26. September wieder jeden Freitag von 10-13 Uhr auf dem Waagplein im Zentrum der Stadt), mehr Infos zum Markt. Alkmaar ist von NRW in zirka dreieinhalb Stunden erreichbar. Bergen, das Künstlerdorf am Meer, ebenso gleich um die Ecke von Alkmaar. Also beide Orte optimal für einen Kurztrip übers Wochenende!
Tipp: Käsemarkt in Alkmaar
Eine Story zu dieser alten Tradition und seiner Käsegilde findet ihr hier bei uns. Der Käsemarkt ist wirklich sehenswert, die ganze Stadt traumhaft gemütlich und toll zum Schlendern und Genießen, nicht nur jetzt im Frühjahr! Geöffnet ist das Museum BroekerVeiling in Broek op Langedijk übrigens täglich von 10-17 Uhr.
Wer noch mehr zu Holland bei uns lesen möchte: eine Geschichte zum Watt in Friesland oder zu Burgen und Gärten nahe Amsterdam – oder zum Tulpenparadies in Beemster.
Bei der Tour in die Provinz Noord-Holland haben mich netterweise forvision und die Region Ontdek Hart van Noord-Holland unterstützt.


In dem Museum waren wir auch. Erst zähneknirschend als Schlechtwetteroption, ich habe mir sehr wenig von dem trockenen Thema versprochen. Und dann war es voll cool! Total interessant und schön dargestellt. Auch für Kinder viel zu entdecken. Echter Geheimtipp in der Gegend!
Danke dir! Ja, ich fand auch, dass es schön präsentiert war – auch für Kinder schon was!Und ein Bonus: die Bootstour in die Kanäle, wenn man etwas Zeit hat! Lg Sandra