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Irland: Stadtnahe Natur auf Howth


Wer mal eben raus will aus Irlands Hauptstadt Dublin, nimmt am besten den Zug: Nach nur 30 Minuten Fahrt steigt man auf der Halbinsel Howth am Meer wieder aus.

Wind, salzige Luft, Wellen: Eben stand ich noch in Dublins City, mitten zwischen Bussen, Menschen und Stadthäusern, jetzt riecht es nach Meer. Vor mir schaukeln weiße Yachten im Hafen, ordentlich aufgereiht. Etwas entfernt liegen Fischerboote vertäut, Netze trocknen am Ufer. Der Wind bläst lebhaft, aber freundlich.  So idyllisch ist Howth allerdings nicht immer: „Zwei- bis dreimal im Jahr tobt hier ein Sturm, der die Wellen über die Hafeneinfassung schwappen lässt“, erzählt Shane O´Doherty. Der Tourguide stammt von der Halbinsel vor Dublin, einem beliebten Ausflugs- und Wanderparadies mit grünen Hügeln und steilen Klippen.

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Mit Shane am Hafen von Howth

Sturm, Robben und Kängurus

„Delfine leben hier, Robben – und dort drüber Kängurus“, sagt Shane und weist neben der Insel Ireland´s Eye, auf der viele Vögel leben, übers Meer. Weit draußen auf Lambay Island gedeihen tatsächlich die Nachfahren von australischen Wallabys. Die Kängurus hatten sich vor Jahren im Dubliner Zoo zu stark vermehrt und brauchten aus Platzgründen ein neues Zuhause. Das fanden sie auf der privaten Insel – und scheinen dort gut zurechtzukommen, mit deutlich dicker gewachsenem Fell und Heuzufütterung bringt man sie dort halb wild sogar über den Winter.

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In der Ferne leben Kängurus

Scones zum Niederknien

Wir verlassen den East Pier des Hafens, nachdem zum krönenden Abschluss noch kurz eine Robbe etwas entfernt in der Irischen See aufgetaucht ist, wandern bergauf durch den Hafenort und passieren dabei linkerhand einen Strand, an dem zum jährlichen Weihnachtsschwimmen hunderte Unerschrockene ins Meer hüpfen. Schräg gegenüber steht hinter hohem Maschendrahtzaun eine unscheinbare Halle, die langsam vor sich hin verfällt. Davor liegt eine asphaltierte Fläche. Nicht Besonderes, oder? Doch, wenn man weiß, dass hier einst U2 erste Konzerte gab, bevor die Iren mit „Sunday, bloody Sunday“ zu Weltruhm kamen. Wenige Meter neben der malerischen Ruine der St. Mary´s Abbey, deren Friedhof bis heute genutzt wird, serviert das Café The House köstliche hausgebackene Scones mit Himbeermarmelade, wahlweise mit oder ohne Rosinen. Unbedingt mit!

Wir laufen weiter, hinter der Abbey eine Treppe hinab und sind wieder auf Meeresniveau. Einst begann direkt hinter dem Mäuerchen zum Parkplatz der Hafen, erzählt Shane. Das Land hat man dem Meer abgerungen. Zum Beweis zeigt er uns den oberen Teil einer Rettungstreppe aus Metall, dessen unterer Teil hinter der Mauer im Boden verschwindet – sehr skurril. Shane kommt in Fahrt, berichtet mit Blick auf den Zebrastreifen hinter uns von dem lustigen kleinen Spielchen, das Autofahrer und Fußgänger in dieser Gegend gern spielten: Überquert ein Fußgänger die Straße und nähert sich dabei ein Auto, gibt der Fahrer Gas und fragt sich, erwische ich ihn noch oder schafft er es über die Straße…? Die Autos, die uns passieren, fahren aber ganz zivilisiert.

Frischeren Fisch gibt´s nicht

An der West Pier des Hafens reihen sich Restaurants und Imbisse aneinander. Klar, wo, wenn nicht hier sollte man Fisch essen, fangfrischer geht ja nicht. Der Fisch aus dem die Fish and Chips im Restaurant The Brass Monkey gemacht sind, wechselt daher auch je nach Tagesfang. Draußen stürzen sich freche Spatzen blitzschnell auf herunterfallende Krümel.

Shane erzählt von den mehrstündigen Wandertouren über die Insel, die er anbietet. Besonders die Steilküste und die Klippen dort müssten atemberaubend sein. Gern würde ich den Cliffwalk gehen und vom Howth Summit, dem höchsten Gipfel der Halbinsel, über die gesamte Bucht von Dublin blicken, die als Biospärenreservat geschützt ist. Aber dafür ist heute leider nicht mehr genug Zeit. Andererseits habe ich so einen Grund mehr, zurückzukommen. Nach dem Essen lasse ich mir neben einem Hafenkran noch ein wenig die frische, würzige Brise um die Nase wehen und bewundere das alte Howth Castle, in dem bis heute die Nachfahren des Earl of Howth wohnen, bevor mich der Zug zurück nach Dublin bringt.

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Im Hafen von Howth

Die Reise nach Dublin und Howth wurde von Failté Ireland unterstützt.

Anreise nach Howth: Mit dem Vorortzug DART ist man aus Dublins Innenstadt in rund 30 Minuten da.

Shanes Wandertouren auf Howth findet ihr hier.

Weltbeste Scones: The House Restaurant and Bar

Fish and Ships und andere Köstlichkeiten aus dem Meer gibt´s bei The Brass Monkey

Infos zu Dublin: Visit Dublin
Infos zu Irland: Visit Ireland

Meine 11 Tipps für Dublin findet ihr hier. Lust auf mehr Meer? Eine Reportage von den schwedischen Wetterinseln könnt ihr hier lesen.

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Seit ich denken kann, zieht es mich in die Natur. Und in den Norden. Das spezielle Licht im Sommer, der Duft der Wälder und die Weite des Fjälls... Als Journalistin und Buchautorin bin ich außerdem gern in Europa und in Niedersachsen unterwegs.

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