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Hygge, Lykke, Lagom & Co.

Seit einiger Zeit wird das nordische Lebensgefühl zu einem neuen Lifestyle – oder vielmehr Mindstyle – aufgepumpt. Nach Hygge ist, so hört man, jetzt Lagom dran.

Gefühlslagen als Modeerscheinung

Alle sind auf dem Hygge-Trip. Oder waren. Denn der ist ja gerüchteweise schon wieder out. Auf den Hygge-Hype soll jetzt ja die Lagom-Genügsamkeit folgen. Oder wird erstmal Lykke, das Glück, verbraten? Eigentlich ja auch egal, um echte Inhalte geht es sowieso nicht. Hauptsache, die passenden Klamotten, Nahrungsmittel, Bücher, Magazine und was es noch an Produkten geben mag, umspielen die Bilder (gern mit Retro-Filter versehen). Schließlich sollen die ein Gefühl transportieren und Bedürfnisse wecken. Aus einem einfachen, kostenlosen Waldspaziergang erwächst ja aktuell auch der Trend „Forest bathing“ und mit entsprechenden Büchern (oder gar Seminaren? Nichts ins unmöglich…) lässt sich sicher auch daraus Geld machen.

Ein Hoch aufs Mittelmaß

Ernsthaft: Hygge, die dänische Gemütlichkeit am Kamin, wenn draußen der Wind ums Haus heult, ist ja schon nett (und nebenbei unverfänglich unpolitisch). Aber muss(te) man jetzt wegen ein bisschen hyggen, also Kaminfeuer, Kerzenschein und Essen mit Freunden in heimelig-geradlinigem Ambiente, so durchdrehen? In Berlin hat inzwischen das erste Hygge-Hotel eröffnet. Und Lagom, dieses „genau richtig, nicht zu viel und nicht zu wenig“ (Kritiker nennen es zynisch auch Mittelmaß) der schwedischen Volksseele – ist es tatsächlich nötig, das nun aufzublasen zur neuen Ideal-Befindlichkeit?

Wahrscheinlich werden jetzt also demnächst überall Zimtschnecken gebacken und man dekoriert sein Haus im nordischen Landhausstil. Bitte, wem´s gefällt… aber, wenn ich mir was wünschen darf, am liebsten still und leise. Jeder einfach so für sich und nicht auf sämtlichen Social Media-Kanälen geteilt. Das Berliner Hygge-Hotel kann dann ja auch wieder auf 08/15 machen und ist dann, schwuppdiwupp, ein Lagom-Hotel. Oder so. Bis auch bei diesem Trend die Halbwertszeit überschritten ist. Aber dann steht garantiert schon der nächste künstlich aufgebauschte Trend in den Startlöchern.

Einfach aussitzen…

Was soll´s- darüber aufregen lohnt sich gar nicht. Besser einfach ignorieren, wegducken und warten, bis auch dieser Trend mit all seinen seltsamen Auswüchsen bei uns aus den Medien und  Magazinen wieder verschwunden ist. Oder, noch besser: die Reisetasche packen und selbst wieder in den Norden fahren. Göteborg wär´mal wieder dran. Oder Stockholm? Raus in die Schären? Oder paddeln… (… im nordischen Sommer, seufz). Ich muss wirklich bald wieder los. Dahin, wo man ohne Hype und Begleitprodukte Hygge und Lagom einfach lebt, ohne es in alle Welt auszuposaunen. Wobei, stimmt nicht ganz, „keine Begleitprodukte“: In Schweden streicht man sich schon ewig ein margarineartiges Fett namens „Lätt & Lagom“ aufs Brot.

Und welche Trends nerven euch?

 

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