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Hausgemachte Marmeladenkreationen aus Tirol


Wie kommt es, dass eine Holländerin in Tirol köstliche Marmeladen kreiert? Letzte Woche habe ich Naomi Hechenblaikner in ihrem Floberry-Hofladen getroffen.

Die schönsten Geschichten schreibt ja oft einfach das Leben: An der kurvigen Landstraße zwischen Reith und St. Getraudi steht ein Schild, dass es hier zu Floberry geht. Noch ein Stück durch den Wald, dann sind wir da. Naomi Hechenblaikner wartet schon. Wir setzen uns in ihren Hofladen, in dem sich die Marmeladen und Chutneys, Kräutersalz, Likör und Sirup hübsch in Holzregalen aufreihen, und sie beginnt zu erzählen.

Der Beginn einer Weltreise

Mehr als 20 Jahre ist es her, da beschloss die Holländerin, nach ihrer Floristinnen-Ausbildung erstmal etwas von der Welt zu sehen. Tirol sollte den Anfang einer längeren Weltreise sein, nur wenige Wochen wollte sie bleiben und dann weiterziehen. Um ein wenig Geld zu verdienen, arbeitete sie einem Blumengeschäft. Und lacht noch heute über die Verständigungsschwierigkeiten: „Mit meinem Schuldeutsch aus Holland war es schwierig, die einheimische Mundart zu verstehen. Eigentlich sogar unmöglich. In den ersten drei Wochen habe ich dauernd gesagt „Bitte sprechen Sie Hochdeutsch mit mir…“

Ein Paradies für Naschkatzen

Weil es im Schnee hier so schön sein soll (haben alle Einheimischen gesagt), ist sie schließlich doch den ganzen Winter über geblieben im Tiroler Alpbachtal – und hat ihren späteren Mann Florian kennengelernt. Und wie es der Zufall will, stammte der (wie sie zuhause in Holland) aus einer Obstbauernfamilie, arbeitete damals aber als Automechaniker. Dass zwei Obstbauern sich treffen – ist das Zufall oder Schicksal? Bei Naomi veränderte das jedenfalls das ganze Leben. Kurz gesagt: Ihre Weltreise begann und endete in Tirol.

Zusammen zurück zum Obst

Im Jahr 2006 wollten die beiden beruflich zurück zum Obst und pachteten einen Hof in der Nähe des Heimathofes von Florian. „2008 hatten wir die erste kleine Ernte“, erzählt Naomi. Der Betrieb baut unter anderem Kirschen, Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren und seit dem letztem Jahr auch Marillen (Aprikosen) an. Die wachsen am Hang direkt über ihrem Hof, die Obstplantagen liegen ein wenig weiter unten im Tal. Bio und nachhaltig ist die Maxime: Alles Obst wächst überdacht und wird nicht gespritzt. Man kann es also direkt essen. Gedüngt wird, wenn nötig, mit dem Pferdemist eines befreundeten Bauern. Das frische Obst können die Kunden den Sommer über direkt an der Plantage kaufen.

Gaumenschmaus: Himbeer-Basilikum-Marmelade, Fichtenwipfel- und Heublumengelee

Zu viel Obst? Marmelade kochen!

Irgendwann gab es dann einmal so viele reife Früchte, dass sich Naomi fragte, wohin nur damit? Und kurzerhand begann, Marmelade zu kochen. „Die Marmeladenmanufaktur ist aus der Not entstanden, weil wir nichts wegschmeißen wollten“, sagt sie fröhlich. Noch so ein Zufall. Und ein weiteres Glück! Naomi begann, erst klassische Sorten wie Erdbeermarmelade, später immer speziellere Sorten herzustellen. Und war erstaunt über den Erfolg: Die Kunden liebten ihre Marmeladen. Also kochte sie weiter…

Mut zur außergewöhnlichen Sorte

Die kreative Neu-Tirolerin wurde immer experimentierfreudiger, erfand je nach Jahreszeit Sorten wie Brombeer-Lebkuchen (mit Lebkuchengewürz), Himbeer-Schokolade (mit echter Schokolade) oder Winterliche Zwetschge. Im Frühsommer mischte sie Himbeeren mit Basilikum, außerdem gibt es Sorten wie Erdbeer-Prosecco, Kirsch-Glühwein, Erdbeer-Minze oder Brombeer-Zitronengras. Alle Zutaten stammen aus der Nähe: Die Pfefferminze bekommt sie von ihrer Schwiegermutter, das Basilikum von einem Kräuternbauern. Auch ihre Ketchups (auch diese sehr kreativ zum Beispiel mit Erdebeeren hergestellt), würzigen Chutneys, Liköre, Schnäpse und Fruchtsirupe werden nachgefragt. Beliebt sind auch die Kräutersalze, die die Schwiegermutter herstellt.

Zucker, Zimt und Liebe

Die Marmeladenküche liegt direkt neben dem Hofladen. An der Tür häng ein Schild mit dem Küchen-Motto. Drinnen stehen zwei große Kessel, darunter ein neuer, 120 Liter fassender Kupferkessel für die Marmeladen, der Farbe und Geschmack der Früchte besonders bewahrt. Beide Behälter stammen von einem Kesselmacher ganz aus der Nähe. Die Früchte werden darin im Wasserbad gekocht und können nicht anbrennen. Mit einer neuen Abfüllanlage, die händisch bedient wird (… für jedes Glas Marmelade einmal drücken), und der ebenso halbautomatischen Etikettiermaschine werden die Marmeladengläschen schließlich exakt befüllt und beschriftet. Schnell muss das Abfüllen gehen, damit die Marmelade heiß ins Glas kommt. Beim Einkochen arbeiten immer zwei Personen in der Küche, manche Früchte sind beliebter, andere anstrengender zu verarbeiten, etwa die harte Quitte. Doch das Ergebnis, eine fruchtige Quittenmarmelade mit Fruchtfleisch, ist alle Mühe wert.

Noch etwas ist seit diesem Jahr neu: „Früher habe ich klassischen Gelierzucker mit Konservierungsstoff verwendet“, erzählt Naomi, „aber das gefiel mir nicht mehr. In diesem Sommer habe ich erstmals ohne Konservierungsstoffe eingekocht, nur mit Zucker und Pektin.“ Das Mischungsverhältnis ihrer Marmeladen beträgt zwei Drittel Frucht, ein Drittel Zucker. Inzwischen vertreibt Naomi ihre Marmeladen in ganz Tirol, auf Bauernmärkten genauso wie in Delikatessenläden – und seit August auch in einem Supermarkt. Floberry aus Tirol gibt es nun in ganz Tirol. Aber was ist eigentlich eine Floberry? Naomi lacht: „Das werde ich öfter gefragt: Der Name setzt sich aus dem Vornamen meines Mannes Florian und -berry zusammen. Also Floberry“

Info: Der Floberry Hofladen ist von September bis Mai jeden Freitag geöffnet, Adresse: Matzen 9, 6235 Reith im Alpbachtal. Im Sommer bietet der Obstgarten von Anfang Juni bis Ende August täglich frische Früchte an. Er liegt zwischen St. Gertraudi und Brixlegg, Adresse: St. Gertraudi 34a. Mehr Infos: www.floberry.at

Die Recherche im Alpbachtal und mein Besuch bei Naomi wurde von Alpbachtal Seenland Tourismus unterstützt. Danke dafür! Mehr Info zur Region: https://www.alpbachtal.at/de

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Seit ich denken kann, zieht es mich in die Natur. Und in den Norden. Das spezielle Licht im Sommer, der Duft der Wälder und die Weite des Fjälls... Als Journalistin und Buchautorin bin ich außerdem gern in Europa und in Niedersachsen unterwegs.

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