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Vogesen: Mystische Pfade, magische Orte

Es gibt Orte in der Natur, die haben eine starke Ausstrahlung. Man spürt ihre ganze Kraft. In den Vogesen, unterwegs beim Wandern, habe ich solch magische Plätze entdeckt. Der Sommer neigt sich seinem Ende zu, als ich auf dem Weitwanderweg Traversée du Massif des Vosges unterwegs bin. Der Weg durchquert das Gebirge und wurde  2019 als eine der besten Wanderrouten Europas ausgezeichnet. Die erste Tour führt mich auf den heiligen Berg Donon.

Der heilige Berg Donon

Felsentürme, wie von Menschenhand aufgetürmt

Der Wanderpfad schlängelt sich den Hang hinauf, flankiert von Farnen und Heidelbeersträuchern. Vorbei an mächtigen Sandsteinblöcken und Felsplatten, sie wirken wie von Hand aufeinander geschichtet. Der Donon war schon immer heilig, einst Kultstätte der Kelten, sie huldigten dem Gott Teutates, dann übernahmen die Römer die Opferstätte und münzten sie auf Merkur um. Den Donon-Gipfel in 1009 Metern Höhe schließlich ließ  Napoleon 1869 mit einem nachgebauten römischen Tempel krönen.

Von dort hat man einen herrlichen Blick über die Rheinebene auf den Schwarzwald, und man erkennt die zarte Linie sanft gewellter Bergkuppen, oft geheimnisvoll bläulich schimmernd. Es ist die typische Silhouette der Vogesen.

Blick über die Vogesen

Die heilige Odilia

Wenige hundert Meter tiefer, auf einem 753 Meter hohen Felssporn, da thront sie, die große Figur der heiligen Odilia. Sie  ist die Schutzpatronin des Elsass sowie auch des Augenlichts. Der Legende nach wurde sie als Tochter eines elsässischen Herzogs um 660 nach Christus geboren. Odilia war blind. Das galt als Schmach, ihr Vater wollte sie töten lassen, doch die Mutter rettete das Mädchen, indem sie es einer Amme in einem Kloster übergab. Bei der Taufe, als das geweihte Wasser Odilias Augen benetzte, da konnte sie plötzlich wieder sehen. Der Vater versöhnte sich mit seiner Tochter und schenkte Odilia die Hohenburg. Hier gründete sie auf dem später nach ihr benannten Berg ein Frauenkloster.

Es wurde im Mittelalter zum  Wallfahrtsort, besonders für Augenkranke und Blinde. Denn zum Berg gehört eine wundersame Quelle. Dort traf Odilia eines Tages einen blinder Bettler. Sie berührte mit ihrem Wanderstab einen Felsen, und heraus floss heilendes Wasser –  der Blinde konnte sehen. Bis heute hat die Quelle Bedeutung, nicht nur als Pilgerziel, ihr Wasser wird auch für die Produktion von Augentropfen einer anthroposophische Arzneimittelfirma verwendet.

Legenden, Naturerlebnisse und elsässische Gastlichkeit

Schmucke Orte und herzliche Gastlichkeit

Das Besondere an dem Wanderweg ist, er vereint Legenden und Naturerlebnis mit elsässischer Gastlichkeit. Früher oder später taucht man aus den dichten Wäldern auf und landet in hübschen Orten an der Elsässer Weinstraße. Mit viel Fachwerk, Straßen und Plätze sind verziert mit überbordendem Geranienschmuck. In kleinen, gemütlichen Gaststuben kommt Flammkuchen auf den Tisch, oder auch deftige Sauerkrautplatten mit viel Fleisch. Dazu trinkt man natürlich Elsässer Weine.

Auch zum Winzerort Ribeauvillé, ungefähr in der Mitte der Elsässer Weinstraße gelegen, führt der Wanderweg. Hier wohnt Winzerfamilie Bott Frères (www.bott-freres.fr), ein Familienbetrieb seit 1835, und sie arbeiten gerade an der Bio-Umstellung ihrer achtzehn Hektar großen Anbaufläche. „Es ist höchste Zeit zu handeln“, erklärt Winzerin Nicole Bott, „wir haben der Umwelt schon zu viel Schaden zugefügt, auch in den Weinbergen, wir müssen sensibler werden.“ Neben dem Verzicht auf Chemie ist die Errichtung neuer Trockenmauern geplant, um kleinen Lebewesen zwischen den Rebreihen Raum zu geben, Blumenwiesen sollen für Bienen blühen. Im Weinkeller stehen alte große Holzfässer neben modernen aus Edelstahl, darin reifen die  für die Region typischen Rebsorten Gewürztraminer, Pinot Blanc oder auch Pinot Noir. „Ungefähr dreißig Prozent der elsässischen Produktion entfällt allerdings auf Crémont d’Alsace, und da ist der Rosé gerade trendy“, erzählt die Winzerin noch.

Hochvogesen

Nach Ribeauvillé schwingt sich der Weg allmählich hinauf in Richtung Hochvogesen. Solch ein Hauptwanderweg über das ganze Massiv existiert schon seit 1897, dank des auch heute noch aktiven Vogesenklubs. Für die Qualifizierung zum Leading Quality Trail wurde die 430 Kilometer lange Route aufpoliert, es gab Wegänderungen, für weniger Asphalt und mehr naturbelassene Abschnitte, die gesamte Markierung wurde verbessert, weitere Naturattraktionen wie schöne Ausblicke mit in die Strecke einbezogen.

Fernblicke

In den Hochvogesen wandert man zwischen Tannen und Buchen, alte Grenzsteine markieren die wechselvolle deutsch-französische Geschichte. Dann kommt der 1.363 Meter hohe Berg  Hohneck in Sicht, umgeben von einer alpin anmutenden Landschaft. Da ragt eine mächtige Felswand aus Granitstein empor, die Martinswand, dazu sanft geschwungene Hochweiden mit einzelnen, verstreut liegenden Bauernhöfen.

Windflüchter in der Nähe der Martinswand

Zufrieden dreinschauende Vogesen-Kühe stehen auf den Wiesen, man erkennt die einst vom Aussterben bedrohte heimische Rasse am weißen Streifen, der sich den gesamten Rücken entlang zieht. Sie liefern die Milch für den kräftigen Münsterkäse. In der Ferne ist der höchste Gipfel der Massivs zu erkennen, der 1.424 Meter hohe Grand Ballon. Es ist auch solch ein magischer Ort, hier huldigten einst die Kelten dem Sonnengott Belenus.

Tipps

Reiseführer: Ein Klassiker aus dem Michael Müller Verlag ist der Band Elsass von 2018, er kostet 21,90€

Wie erreicht man den Wanderweg? Anreise nach Straßburg. Mit Bahn und Bus kann man einige Ausgangspunkte des Traversée du Massif des Vosges erreichen, etwa auf der Etappe 8 (mit dem heiligen Donon-Berg) erreicht man das Etappenziel Schirmeck in etwas über einer Stunde ab Straßburg mit der Bahn bis Molsheim und weiter mit dem Bus bis Schirmeck. Allerdings gibt es zwischen  den Etappenpunkten nur wenige Verbindungen. Eine Route mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann man sich hier zusammenstellen.

Die Reise hat mir Elsass Tourismus ermöglicht. Dankeschön!

Mehr schöne Herbstwanderungen gibts hier: Alpbachtal, Solling, Hunsrück

Über Karin Kura

Draußen ist es am schönsten. Egal, ob als Reisejournalistin oder privat, unterwegs in der Natur bin ich am liebsten. Aber bloß nicht frieren!

So klingt es vielleicht komisch, dass ich von Haus aus Skandinavistin bin, in Norwegen habe ich gelebt. Und dann die Himmelsrichtung gewechselt.

Jetzt würde ich gerne Spanisch lernen. Wenn mal Zeit dafür bleibt. Vielleicht ja auf meiner Lieblingsinsel: La Gomera.

Kategorie: natürlich, Reisen

von

Karin Kura

Draußen ist es am schönsten. Egal, ob als Reisejournalistin oder privat, unterwegs in der Natur bin ich am liebsten. Aber bloß nicht frieren! So klingt es vielleicht komisch, dass ich von Haus aus Skandinavistin bin, in Norwegen habe ich gelebt. Und dann die Himmelsrichtung gewechselt. Jetzt reise ich oft in Richtung Süden, nach Spanien. Karge Landschaften ziehen mich magisch an, besonders Wüsten. Alle Wüsten dieser Welt besucht zu haben, das wäre ein Traum!

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