11 Tipps für..., Reisen, Weihnachten
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11 Tipps für… Reise-Lieblingsbücher zum Verschenken

Weihnachten naht (… wie jedes Jahr plötzlich mit gaaanz großen Schritten) und ihr habt noch nicht alle Geschenke? Wir finden: Ein Buch passt immer. Hier unsere diesjährigen Tipps für Lieblingsbücher – vielleicht werdet ihr ja fündig?

Reisen und lesen (und darüber schreiben) gehört für uns untrennbar zusammen. Vor einer Reise, manchmal auch während und besonders gern danach vertiefen wir uns in Reiseführer, Romane und Sachbücher, die einen Bezug zum Zielort haben. So hat uns auch in diesem Jahr so manches (immer noch) gedruckte Werk begleitet. Hier stellen wir euch als Reisefeder-Team einige Lieblingsbücher 2019 vor.

1. Frei.Luft.Hölle

Are Kalvø, der „einzige Norweger, der Wandern langweilig findet und sich auch traut, das zu sagen“, hat mich mit Frei.Luft.Hölle – Mein Selbstversuch, den Outdoor-Wahnsinn lieben zu lernen, immer wieder laut zum Lachen gebracht. Wir Reisefedern wandern ja alle gern, in Skandinavien genauso wie in den Alpen, im Schnee oder den deutschen Mittelgebirgen wie dem Harz oder dem Hunsrück. Ob mit oder ohne Hüttenübernachtung – ich habe die eine oder andere Absurdität durchaus wiedererkannt. Einfach köstlich, wie der norwegische Comedian in quietschgüner Outdoorjacke einen mitnimmt, erst in die Ausrüsterläden und dann auf seine Hüttentouren. Für Leute mit Wanderschuhen und Sinn für Humor.

Are Kalvø: Frei.Luft.Hölle, DuMont Reiseverlag, ISBN 978-3-7701-6689-3, 14,95 €

2. Wildnis Niedersachsen

Manche Bildbände haben das Zeug dazu, Lieblingsbücher zu werden. Wie sehr würden wir uns freuen, wenn das auch mit diesem passiert, das ganz neu aus unserer Feder erschienen ist. Es geht um Niedersachsens Natur. Und um Wildnis. Wildnis in Niedersachsen, gibt es das überhaupt noch? Denn die Lebensräume vom Emsland bis zum Harz, von der Lüneburger Heide bis zum Weserbergland und alle Tiere und Pflanzen darin sind ja schon entdeckt, kartiert und beschrieben. Doch zusammen mit den befreundeten und mehrfach ausgezeichneten niedersächsischen Naturfotografen Willi Rolfes, Jürgen Borris und Bernhard Volmer haben wir, Anke und Iris, trotzdem einen Bildband über Niedersachsens Wildnisse geschrieben. Denn es gibt sie noch, wenn auch manchmal nur im Kleinen. Vielleicht findet Ihr in unserem Buch ja auch die eine oder andere Anregung, wohin Ihr mal wieder einen Ausflug machen wollt… Stichwort Nahziele und Microabenteuer. Oder einfach: raus.

Anke Benstem, Jürgen Borris, Willi Rolfes, Iris Schaper, Bernhard Volmer: Wildnis Niedersachsen, Edition Temmen, ISBN 978-3-8378-5038-3, 24,90 € (erscheint am 11. Dezember)

3. 111 Orte im Wendland, die man gesehen haben muss

Ich mag diese Reihe. Egal, wohin man fährt, unter den 111 Tipps sind immer viele gute. Im Falle des niedersächsischen Wendlands sogar sehr gute: Ich war bei Stefan Reinsch, dem Naturschützer und Sensenmann, auf dem Höhbeck mit Wolfsberater Kenny Kenner in der Göhrde auf der Spur der Wölfe, habe die Beluga am Atommüll-Zwischenlager Gorleben gesehen. Bin mit dem Sofa-Floß auf der Elbe gefahren und habe das Nemitzer Heidehaus besucht. Ach, und im Breeser Grund war ich auch. Da fand ich es besonders toll. Was ich an den 111 Orten… noch mag: Es macht Spaß, sich vor einer Reise damit auf das Ziel vorzubereiten. Und es macht hinterher nochmal Spaß, das Gesehene nochmal nachzulesen. Oder weiterzuempfehlen.

Christine Izeki, Gerald Roemer: 111 Orte im Wendland, die man gesehen haben muss, Emons Verlag, ISBN 978-3-7408-0352-0, 16,95 €

4. Europäisches Weihnachtskochbuch, Bräuche & Spezialitäten

Viel mehr als ein Kochbuch – hier gibt’s neben typischen Rezepte zu jedem Land auch ausführlich die Weihnachtsbräuche und -traditionen erklärt. Wolltet Ihr Euch schon immer mal quer durch 33 Länder und Regionen lesen, kochen, backen und schmecken, von Albanien bis Zypern, dann ist dieses Buch auch für Euch! Aufmerksam geworden bin ich, als ich um ein Island-Bild angefragt wurde, zum Laufabrauð – den „gebackenen Schneeflocken„. Und ich finde so oder so, es ist klasse geworden. Das Buch ist nämlich eigentlich ein Langzeitprojekt zum Lied „Stille Nacht“, in dem irgendwann von den „Völkern der Welt“ die Rede ist, geschrieben vor rund 200 Jahren im österreichischen Kleinarl und Wagrain. Zum Jubiläum erforschten und erkochten dann dortige Schulkinder jahrelang die Weihnachtsbräuche und -speisen. Mit vielen kleinen netten Details, wie den Landestrachten und Festtagsgrüßen zu jedem Kapitel.

Taliman Sluga: Europäisches Weihnachtskochbuch: Rezepte · Bräuche · Spezialitäten. Verlag Anton Pustet Salzburg, ISBN 978-3-702-50906-4, 29 €

5. Stadtabenteuer Hamburg

Städte entdecken ist spannend. Oder kann zumindest spannend sein, jenseits des Sightseeing-Busses und der Stadtführerin mit erhobenem Regenschirm. Sich  einfach treiben zu lassen in fremden Städten, kann Abenteuer und (zeitlicher) Luxus pur sein. Manchmal schadet es aber auch nicht, sich vorher ein wenig mit der Stadt zu beschäftigen. In der neuen Reihe „Stadtabenteuer“ im Michael Müller Verlag setzt Herausgeber Matthias Kröner auf die Erlebnisse und Aktivitäten, die eine Stadt jenseits ihrer touristischen Highlights ausmachen. In Hamburg zum Beispiel: Paternoster fahren, Poetry Slam hören, Kiezkneipen besuchen und dann früh morgens am Elbstrand frühstücken. Durch den alten Elbtunnel laufen ist auch toll… Hamburg, bis bald!

Matthias Kröner: Hamburg Stadtabenteuer, Michael Müller Verlag, ISBN 978-3-95654-824-6, 14,90 €

6. Bin im Garten

Zuhause bleiben kann so schön sein. Vor allem, wenn es dort einen Garten gibt, den man beackern kann. Muss ja nicht der eigene sein – ein Kleingarten ist perfekt, oder vielleicht freut sich die Nachbarin über Hilfe? Wie auch immer: Lust auf Garten und Werkeln im Grünen macht Meike Winnemuths „Bin im Garten“ allemal. Die Frau hat es irgendwie drauf – was auch immer sie angeht, sie nimmt ihre Leser*innen mit (wie bei „Das große Los“, auch noch immer eins meiner Lieblingsbücher) und verdient so nebenbei ihren Lebensunterhalt damit. Es sei ihr gegönnt. Ich habe ihr erstes Jahr im eigenen Garten jedenfalls mit großer Freude begleitet. Und plane gerade auch ein Gewächshaus.

Meike Winnemuth: Bin im Garten. Ein Jahr wachsen und wachsen lassen. Penguin Verlag, ISBN 978-3-328-60045-9, 22 €

7. Hektopolis: Ein Reiseführer in hundert Städte

Wo wir eben bei Städten waren: Mich hat dieses Jahr Hektopolis begeistert, als ich eine Weile nicht mobil war und in Büchern reisen musste. Hektopolis nicht wie „hektisch“, wie erst gedacht, sondern wie „hekto“=100. Ohnehin führt der Titel irre, denn ein Reiseführer ist das Buch gerade mal nicht. Es sind hundert kleine Erzählungen oder Anekdoten, immer gerade eine Doppelseite lang. Ein kurzes, aber tiefes Eintauchen in die jeweilige Stadt, rund um die Welt von Al Ain bis Zell am See. Mal war der Autor dort monatelang, mal nur 83 Minuten. Mal kürzlich, mal vor Jahrzehnten. Und meist ist herausgekommen, was das Feuilleton vielleicht „Preziosen“ nennt – feine Beobachtungen abseits vom Tourismus, lakonisch geschrieben. Geschmacksache? Sicherlich. Persönliche Eindrücke und Ausblicke. Mir gefiel’s. Zumal ich Manches selbst ähnlich erlebt habe…

Wojciech Czaja: Hektopolis: Ein Reiseführer in hundert Städte. Verlag: Edition Korrespondenzen, ISBN 978-3-902-95130-4, 20 €

8. Wald

Doris Knecht polarisiert. Man findet ihre Beziehungs- und Selbstfindungsthemen, ihre Art zu schreiben und ihre oft derbe Sprache klasse oder schrecklich. Im Fall von „Wald“ bin ich definitiv im Team Doris. Wie Marian sich in dem abgehalfterten Haus in den Voralpen durchschlägt, weil nichts mehr übriggeblieben ist von ihrem Schickimickileben in der Großstadt, ist existenziell und ganz großes Kino. Der Wald, der gleich hinter der armseligen Hütte beginnt, gibt die stimmige Kulisse dazu. Da denke ich sofort an den nebeligen Herbstwald in Nationalpark Hunsrück-Hochwald zurück, in dem ich Ende Oktober gewandert bin…

Doris Knecht: Wald. Rowohlt Berlin Verlag, ISBN 978-3-87134-769-6, 10 €

9. Einsam und kalt ist der Tod

Reißerisch klingt er ja schon, der Titel, und vor allem nach dem gleichen Schema konstruiert wie zig andere Skandinavien-Krimis auch: Meuchelmorde in schöner, karger Landschaft. Trotzdem hat dieser Lappland-Krimi das Zeug, zu einem Lieblingsbuch zu werden. Der schwedische Autor ist auch Filmemacher und weiß, wovon er schreibt, denn er verbringt jeden Winter in Kautokeino in der norwegischen Finnmark. Beides merkt man der Geschichte an: den Filmemacher an den sehr plakativen Szenen, die eisigen Winter unter den samischen Rantierhirten an der Kenntnis ihrer Lebensumstände. Lars Petterson schildert keine folkloristische Idylle, er widmet sich auch und gerade den Brüchen in den Biographien der Menschen, die sich zwischen tief verwurzelten Traditionen und Gegenwart bewegen. Nach meinem Besuch der Finnmark im September vielleicht nicht für ewig unter meinen Lieblingsbüchern, aber auf jeden Fall die perfekte Lektüre – auch für alle, die noch vorhaben, dorthin zu reisen.

Lars Petterson: Einsam und kalt ist der Tod. Lappland-Krimi, Bastei Lübbe, ISBN 978-3-7857-6105-2, 8,99 €

10. Wolfsspur

In die Wälder Norwegens und Schwedens nimmt einen Reidar Müller mit diesem Sachbuch mit. Ursprünglich will er über das Ökosystem Wald forschen und schreiben, verfällt dann aber immer mehr dem Wolf, der darin lebt. Zusammen mit einem Freund und einem schwedischen Wolfsexperten versucht er ihm auf die Spur zu kommen, lange Zeit vergeblich. Ich habe das ruhige Buch mit Freude gelesen, denn Reidar Müller verfällt micht der Mystifizierung des Wolfes, sondern nähert sich dem Raubtier und den Mythen, die es umranken, sachlich – genauso wie Kenny Kenner, mit dem ich im Frühling in der Göhrde auf Wolfstour war. Mindestens genauso viel wie über den Wolf habe ich in dem Buch außerdem über den Wald gelernt. Teile der Suche fanden im schwedischen Glaskogen statt, im waldreichen, wilden Värmland, wo ich im Frühsommer 2019 war.

Reidar Müller: Wolfsspur. Eine Entdeckungsreise in die Tiefen unserer Wälder, Droemer Knaur, ISBN 978-3-426-27796-6, 19,99

11. Nils Holgerssons Reise mit den Wildgänsen

Und zu guter Letzt noch mal ein Klassiker, der mir auf der Suche nach den Zugvögeln an der Nordseeküste immer durch den Kopf ging. Morgens, auf dem Schiff, als dann doch endlich erste langgestreckte Gruppen wilder Gänse an uns vorbeizogen. Wie war das noch mit dem unglaublich dicken Buch (rund 450 Seiten), das mich als Kind so viele Tage lang in den Bann geschlagen hatte? Könnte das hier an der Nordsee dieselbe Art Wildgänse sein, mit denen der verwichtelte Nils auf seinem Hausgänserich Martin über ganz Schweden zog? Nicht der einzige Grund, wieder in den alten Schmöker zu schauen und ihn hier zu empfehlen: Er wirkt absolut nicht wie ein Schul-Lesebuch, das Selma Lagerlöf schreiben sollte, um den Kindern ihr Heimatland näher zu bringen, Natur, Kultur, die Regionen, das Leben damals – und das ist nicht altbacken, obwohl schon 1906 geschrieben, sondern abenteuerlich und spannend, nicht nur für Kinder. Ist es ein Wunder, dass Selma den Literaturnobelpreis bekam?  Wenn Euch eine schön märchenhafte Sprache gefällt, kauft nicht die neueste Ausgabe/Übersetzung, sondern gebraucht (pre-loved…!). Und ja – Nils‘ wilde Vögel waren vermutlich Graugänse wie an der Nordsee. Nur dass sie im Buch über die Ostsee nach Süden zogen…

Selma Lagerlöf: Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen. Diverse Verlage und Ausgaben, neueste Fassung ab Mai 2020: Reclam Taschenbuch, ISBN 978-3-150-20597-6, 12 €

 


Und zum Schluss noch eine Bitte: Kauft Bücher am besten in der Buchhandlung vor Ort! Sonst gibt es sie nämlich bald nicht mehr… Und falls es doch online sein muss, schaut doch mal in der Autorenwelt, ob es das Buch dort gibt. Das geht genauso schnell und unkompliziert wie bei anderen Online-Buchversendern, aber die Autor*innen bekommen dort einen Anteil am Verkauf ihrer Bücher. Das ist doch mal wirklich fair, finden wir.

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